Hubert Sielecki – Zwischen kantigem Witz und leiser Poesie

Der experimentelle Film entspringt den Zauberkabinetten neugieriger, ehrgeiziger Heimwerker: Hubert Sielecki, geboren 1946 in Kärnten, macht seit Jahrzehnten das Konventionen strapazierende Basteln zur Kunstform.
Wer wie er handwerkliche Techniken ausreizt, oftmals wie neu erfindet, dem gelten Gattungsgrenzen wenig. Der Filmemacher ist konsequenterweise auch bildender Künstler und Musiker. Anhand von Sieleckis Karriere ließe sich eine Checklist der für den Experimental und Animationsfilm relevantesten Filmfestivals und Auszeichnungen erstellen. Seine Erfolge waren keine Selbstläufer. Er erstarrte nie in den Mechanismen der Institutionen, die er mit auf den Weg gebracht hat. Von 1982 bis 2012 leitete Sielecki das Studio für experimentellen Animationsfilm an der Angewandten in Wien. Sein Verdienst als Ausbildner liegt weniger darin, einer Schule des Animationsfilms seinen Stempel aufgedrückt zu haben, als vielmehr im Talent, Generationen von Studentinnen und Studenten zur Experimentierfreude ermutigt zu haben. Durch Sieleckis eigenes Werk streckt die oft unwegsam erscheinende Filmavantgarde freundlich ihre Hand aus. Seine Kurzfilme, changierend zwischen kantigem Witz und leiser Poesie, sind höchst mitteilsam. Zugleich sind sie in bester österreichischer Avantgarde-Manier selbst durchlässig für die Welt, durchlöchern, zerstückeln und kneten ihr oft schon medial aufbereitetes Ausgangsmaterial zu eigenwilligen Gegenentwürfen, die Wachsamkeit widerspiegeln und herausfordern. Die Bereitwilligkeit zur Kommunikation scheint bei Sielecki ein grundsätzliches Arbeitsethos zu sein, das auch zur Zusammenarbeit mit befreundeten Kunstschaffenden aus der Malerei, Musik und vor allem Literatur führt. Hinter seinen früheren Arbeiten, die sich auch als unverstaubte Zeitdokumente lesen lassen, versteckt sich oft ein Respekt einflößender Produktionsaufwand. Viele seiner erfrischenden Miniaturen der letzten Jahre wirken wie leicht und sicher von der Hand gegangene Capriccios. Wie kaum einem Filmkünstler seiner Generation gelingt Sielecki mühelos der Anschluss ans YouTube-Zeitalter.

Raimund Liebert 2013
© 2007 Raimund Liebert.
Erstveröffentlichung: viennashorts.com, Mai 2007.

PDF: Sielecki-Langtext Liebert 2013

PDF: Bio+Filmographie 2016

PDF: VIS Sielecki-Liebert 2008