die kaltschmiede
objekt
aus geschmiedetem und geschweißtem eisen und stahl
entstanden bei der österreichischen objektmacherwoche in der stahlstadt
ternitz
september 1981
während
einer objektemacherwoche in ternitz gab es führungen durch das stahlwerk
ternitz und die reifenfabrik semperit.
im stahlwerk war unter anderem die "kaltschmiede" zu sehen. hier wurden
in einer dunklen schwarzen halle riesige
kalte stahlblöcke mit mächtigen Hämmern bearbeitet. Der Lärm
ist so groß, daß man das Stampfen 10 Kilometer weit hören kann.
Der Stahlblock wird von arbeitern mittels mechanischen vorrichtungen unter dem
hammer gedreht und gewendet. schon die großväter dieser arbeiter
waren hier in der kaltschmiede beschäftigt. und voll stolz wird dieser
beruf, diese (schreckliche) arbeit an die nächste generation weitergegeben.
aus dieser beobachtung heraus empfand ich diese arbeit als menschenunwürdig.
wie kann jemand auf diese sklavenarbeit stolz sein? für wen arbeiten diese
menschen in der kaltschmiede? ist das für die welt so wichtig, was da so
kaltgeschmiedet wird?
ich nahm den gußeisen-tisch einer alten singer-nähmaschine, befestigte
darauf eine gummiplatte aus dem semperitwerk, darüber legte ich eine ausgestopfte
puppe in menschengröße, die rechte hand betätigt einen hebel,
der mit dem trittbrett der nähmaschine verbunden ist. an einem seitlichen
fahrrad-rad kann man kurbeln. über eine übersetzung wird ein waagrechtes
rad in bewegung versetzt. es dreht sich und die darauf aufgehängten eisenteile
stoßen gegeneinander an und erzeugen metallischen lärm. über
der senkrechten achse dieses rades ist der große hammer angebracht, der
ebenfalls mit dem trittbrett und dem hebel verbunden über dem rücken
der menschenfigur immer auf und ab schwingt. somit habe ich zum ausdruck gebracht,
daß ich als außenstehender an dem rad drehe und das ganze werk lärmvoll
in bewegung versetze. der arbeiter betätigt selbst den hebel, der in weiterer
folge den hammer auf seinen rücken sausen läßt. vor dem objekt
auf dem boden liegt eine dicke gummiplatte, auf der zu schreiben ich mich nicht
zurückhalten konnte: "nur härte formt den menschen!".
bei
der eröffnung der abschlußausstellung des symposiums waren politker
zugegen. einer ließ sich das objekt vorführen, sah mich dann an und
fragte: "ja können sie denn davon leben??!!"
dieses
objekt war zum letztenmal 1990 in der kunstwerkstatt tulln ausgestellt. (eröffnung
durch dr. zawrel) nach der ausstellung wurden die stahl-und eisenteile wegen
platzmangels entsorgt. übriggeblieben sind nur noch einige fotos.
"die kaltschmiede", 1981 die fotos bitte anklicken: originalgröße weitere fotos